Mercedes Benz DB605

Als meistgebautes deutsches Flugzeugtriebwerk im 2.Weltkrieg nimmt der Daimler Benz DB605 eine Sonderstellung ein. Man geht von über 42.000 produzierten Exemplaren aus, überlebt haben nur wenige. Lauffähige Triebwerke sind sehr rar.

db605ab  DaimlerBen Motoren Plakat 1

Der DB605 wurde aus dem DB601 entwickelt und ist ebenso ein 12-Zylinder V-Motor mit mechanischer Aufladung. Typisch für die DB Motoren der 600er Baureihe ist die hängende Anordnung der Zylinderbänke. Dadurch ergab sich genügend Raum zum Einbau von Bordwaffen die durch den Propellerkreis schossen. Zwischen den Bänken konnte eine 20mm /30mm Bordkanone verbaut werden die durch die hohle Propellerwelle schoss.

Der Motorblock besteht aus Leichtmetall, die Zylinderlaufbuchsen sind aus Stahl. Jede Zylinderbank verfügt über eine sogenannte Königswelle, die wiederum die obenliegenden Nockenwellen antreibt. Der Vierventiler hat natriumgekühlte Auslassventile und verfügt über eine Bosch-Doppelzündung mit je 2 Zündkerzen pro Zylinder. Eine Besonderheit zu dieser Zeit war mit Sicherheit die Gemischaufbereitung durch eine mechanische 12-Stempel-Einspritzpumpe von Bosch. Der Benzindruck lag bei rund 90bar. Der Verbrauch liegt bei „moderaten“ 180-400 Liter/Stunde. Normalerweise wurde der DB mit 87Oktanigem Treibstoff betrieben, 100 Oktan waren ebenfalls möglich. Die Trockensumpfschmierung mit 3 Ölpumpen konnte auf einen Schmiermittelvorrat von 37 Litern zurückgreifen.

DaimlerBen Motoren Plakat 2 

Ein 605er entwickelt aus knapp 36 Liter Hubraum fast 1.500PS Startleistung, der einstufige mechanische Lader wird durch die geschmiedete Kurbelwelle via hydraulischer Kupplung angetrieben. Alleine die Kurbelwelle wiegt 100 Kg. Der Ladedruck liegt bei 1,42 bar , die sogenannte Volldruckhöhe lag bei 5700mtr, will heissen durch den Ladedruck erreichte der Motor in 5700mtr Höhe die gleiche Leistung wie in Bodennähe trotz der „dünneren“ Umgebungsluft. Erst über besagten 5700mtr Höhe nahm die Leistung des Aggregates zunehmend ab. Angelassen wurde das Triebwerk entweder über den handbetriebenen Schwungmassenanlasser. Der Anlasser konnte auch elektrisch betrieben werden. Der Motor verfügt über ein Stirnradgetriebe welches die Kurbelwellendrehzahl im Faktor 1,685/1 untersetzt (DB 605A). Bei einer Motorendrehzahl von 2.800 Touren dreht demzufolge der Dreiblatt mit 1.495 U/Min.

Später wurde dem 605er mit diversen Einspitzanlagen zu Mehrleistung verholfen. Die MW50-Anlage war eine Wasser-Methanol Einspritzanlage welche die Ladeluft herunterkühlte und und dadurch höhere Ladedrücke ermöglichte. Das System funktionierte optimal bei rund 3.500 Meter Höhe und brachte ein Plus von rund 350PS, war aber durch die Luftmenge begrenzt, bei Volldruckhöhe generierte das System kein Leistungsplus mehr. Durch die MW-50 Anlage konnte bei den 605er die Leistung kurzsfristig bis auf satte 2.000PS gesteigert werden (DB605 DC). Der Einsatz der MW-50 Anlage war mit Bedacht zu wählen. Zum einen war der Vorrat an Wasser-Methanol-Gemisch begrenzt (bis ca. 70Ltr), zum anderen durfte die Anlage maximal 10 Minuten in Dauer betrieben werden. Folgte man dieser Vorschrift nicht kam es zu Motorschäden.

Eine weitere Leistungserhöhung konnte durch die sogenannte GM-1 Anlage erreicht werden. Diese Lachgaseinspitzung konnte über der Volldruckhöhe genutzt werden und brachte einen Zusatzschub von rund 400PS. Durch die Lachgaseinspritzung wurde durch eine chemische Reaktion der Sauerstoffgehalt im Gemisch erhöht, quasi als Ausgleich zum Sauerstoffverlust der Umgebungsluft in großer Höhe.

Nachteilig bei all den Leistungssteigerungen war naturgemäß der hohe Verschleiss. In den Einsatzjahren eher von untergeordnetem Belang, heutzutage ein „No-go“ , zu selten sind heute diese Aggregate.

Hier ein DB605AS (großer Lader) als sog. Dummy-engine, also ein nicht lauffähiges Aggregat für Anpassungsarbeiten, in der Werft von MeierMotors

 

Dieser DB605 wurde in einer Messerschmitt Bf110 eingesetzt, genauer einer Bf110 G-4 Nachtjäger. Dieses moderne Kampfflugzeug wurde 1944 in der Schweiz interniert, die beiden Triebwerke haben den Krieg überstanden und wurden in der Schweiz eingelagert. Zur Restaurierung der Messerschmitt Bf109 G-4 für die FighterFactory wurde dieses Triebwerk erworben und zu Vintage V12´s zur Restaurierung verbracht. Die Triebwerke der schweren Jäger unterscheiden sich durch die unterschiedlich übersetzen Getriebe zu den Jägermotoren für die Bf109. Die Propellerdrehzahl ist etwas geringer. Bei den heute gefahrenen Ladedrücken ist dieser Drehzahlunterschied aber nicht relevant und so wird in der Regel das Getriebe nicht getauscht. 

DB605 2012 06 161

 

 

Mercedes Benz DB605 Seriennummer 278207 - ein weiteres Restaurierungsobjekt

DB605 WNr278207 2012 09 215

DB605 WNr278207 2012 09 211 DB605 WNr278207 2012 09 212 DB605 WNr278207 2012 09 213

DB605 WNr278207 2012 09 214

 

Einblicke in Mike Nixons Restaurierungswerkstatt in Tehachapi / California - Restaurierung eines DB605

 

Zeit das Mercedes Benz Aggregat dem Rolls Royce Merlin gegenüberzustellen. Der Vergleich hinkt natürlich, das DB605 Aggregat hat ein gutes Stück mehr Hubraum als der Merlin, genauer fast 10 Liter Hubraum mehr. Der Rolls Royce Merlin ist mit seinen 27Litern Hubraum fast nicht vergleichbar, von der Perfomance her gesehen aber sehr wohl

 

******