Supermarine Spitfire - Beuteflugzeug

 

 

 

 

Supermarine Spitfire,
oder wie die ehemalige Deutsche Luftwaffe zum englischen Jäger kam

Die Geschichte der Beuteflugzeuge ist für den Luftfahrtenthusiasten eine sehr interessante Geschichte. Jede Nation hatte ein ganzes Sammelsurium an gegenersichen Flugzeugen, die teils erbeutet wurden, teils wegen "Verflogen" auf fremden Plätzen landeten, von Piloten die desertierten und last but not least von Gefangenen die ein Flugzeug stahlen um damit endlich nach Hause zu kommen. Mittleweile gibt es Einiges an Literatur zu dem Thema.

Die Supermarine Spitfire war eines der besten Jagdflugzeuge seiner Zeit und so ist es verständlich, dass die deutsche Luftwaffe alles daran setzte ein flugfähiges Exemplar für Vergleichsflüge zu erhalten. Viel ist über die Spitfire Mk.II nicht überliefert, die Quellen schweigen sich aus. Aber es gibt eine handvoll Photos einer frühen Spitfire in deutschem Gewand. Grund genug diese Maschine als Vorlage zu nehmen.

Spitfire 52 Detail Spitfire52 (source Internet)

Spitfire F1a 52

Baubericht

Nachdem meine AT6 gegroundet war und ich absolut keine Lust zum reparieren hatte, war zu einem ein 120er-4Takt quasi arbeitslos, zum anderen brauchte ich einen flotten warbird neben der Mustang. Richard "Viper" hatte die Spitfire bei einem Besuch bei der MG Glattal dabeigehabt und ich war begeistert und überzeugt - vom Feinsten.
Der Griff zum Telefon war schnell erledigt, "Schweighofer" hat auch innerhalb von 4 Tagen geliefert. Ein Riesenkarton im Keller und Freude pur beim auspacken.

Bausatz

Alle Teile einzeln in Folie verpackt, zum Teil mit einer schaumstoffartigen Folie zusätzlich verpackt. Dazu einige Beutelchen mit reichlich Kleinteilen. Kunstoffgabelköpfe sind nicht jedermanns Sache, trotzdem, alles dabei, ausser dem Spinner, RC-Komponenten, Antrieb und Einziehfahrwerk. Und das zu einem Preis von rund 230 Euro (Stand 2004). Das Flugzeug hat 180cm Spannweite, wiegt flugfertig ca. 5.000 Gramm. Als Motorisierung sieht der Hersteller einen 20ccm-Viertakter vor

Die Flächen geprüft und sofort mit dem Bau begonnen - Rippenflächen, mit GFK/Alu-Steckung, alles perfekt passend. In die Flächen kommen Standardservos für den QR-Antrieb und die Landeklappen. Die Ruder werden mit diesen Oblaten-GFK-Scharnieren angeschlagen. Die Teile werden mit Sekundenkleber in die schön mittig (bereits herstellerseits) geschnitten Schlitze geklebt. Sinnvollerweise mit Dickflüssigem.... Ist der Kleber fest, bewegt sich nichts mehr, Korrektur unmöglich.

 

Vorbereitung zum Fahrwerkseinbau 

Hier das mechanische Einziehfahrwerk von Kenner-EzFw, passgenau für die Spit hergestellt. Herr Kenner lieferte die Teile in nicht mal einer Woche, Respekt so muss es sein. Die Qualität hat mich aber schlussendlich nicht überzeugen können, darüber später aber mehr. 

Spitfire Beute 12

Sieht schon richtig nach Beute Spit aus , aber es noch Einiges zu tun.

Spitfire Beute 16

Spitfire Beute 15 Spitfire Beute 17

Nach wie vor bin ich von dem Flieger überzeugt. Da passt alles, so gut wie keinerlei Nacharbeiten, so sollte es sein. Das einzigste Gefummel waren die Anlenkungsdrähte des Einziehfahrwerkes, aber irgendwann passt dann alles und es verriegelt auch. Das EzFw-Servo ist übrigens ein Simprop SES900

Spitfire Beute 13 Spitfire Beute 14 Spitfire Beute 19

Spitfire Beute 18 Spitfire Beute 21

Etwas ungeschickt und klapperig ist die Anlenkung der Landeklappen. Nun es wird sich im "scharfen Einsatz" zeigen, ob das auch funktioniert. Für zwei Servos ist aber kein Platz. >> es zeigte sich, dass ein Servo gut ausreichend ist. Der Tank wurde eingebaut und alles was mit Sprit in Verbindung treten kann wurde mit Harz ausgepinselt und dadurch versiegelt. Die Schubstangen für SLW und HLW waren in Sekunden eingebaut - ARF eben.

Spitfire Beute 20 Spitfire Beute 22

Um den Jäger etwas "scaliger" aussehen zu lassen, habe ich noch die diversen Kühler "scratch" gebaut. Dadurch gewinnt das Modell ungemein.

Spitfire Beute 31 Spitfire Beute 32 Spitfire Beute 33

Am 06.06.2004 war dann roll-out - Keller aufräumen

Spitfire Rollout 1

Spitfire Rollout 2 Spitfire Rollout 3 Spitfire Rollout 4

Spitfire Rollout 5 Spitfire Rollout 6 Spitfire Rollout 7

Wieder ab in den Keller und die Maschine noch ein bisschen altern, sprich weathern. Der Schritt war auch bald erledigt und die Maschine fast flugfertig.

 

Nur noch Klarlack .... Nachdem Alles fertig war, wurde die Maschine mit einem Klarlacküberzug in 2K versehen. Der freundliche Farbenhändler empfahl mir 2K-Klarlack aus der Dose. Ich hätte es wissen sollen. Die bereits von ihm gekauften Dosen gelb und oliv waren qualitativ unterer Qualität. Dies wurde aber noch vom Klarlack getoppt. Kurzum das finish ist versaut, das Gelb angelöst und trocknet nicht mehr. Anmerkung meines Farbenfritzen "ach dann stimmt was mit der Mischung nicht. Schleifen Sie das Ganze ab und noch einmal lackieren, Ersatzdosen bekomme ich gestellt" - Ich habe dankend verzichtet

Der Erstflug sollte nun beim Flugplatzfest der MG Glattal erfolgen. Ausgewogen, vollgeladene Akkus, Tank voll, Reichweitentest.. alles im grünen Bereich. Hier Richy als Starhelfer: 

119 1999

  

Gut es war ziemlich bockig, aber es sollte sein...... Anrollen zum Start, Kopfstand. Also wesentlich mehr Höhenruder, Seitenruderausschlag muss nicht so groß sein. Zweiter Versuch, leicht gezogen, die Maschine nimmt Fahrt auf und steigt sofort weg, viel zu früh natürlich und flippt nach links Richtung Zuschauer :-( Gas raus, Zwangsabsturz. Die Sicherheit geht nun mal vor. Die Schäden : Fahrwerk rausgerissen, Rumpf teilweise aufgeplatzt. Alles in allem aber gut reparierbar.

ziemlich viel Tiefenruder .... noch 10 Sekunden und sie liegt im Dreck

spitstart2

Nach Auswertung der Photos und einem Video erschien die Maschine als sehr schwanzlastig und megagiftig auf dem Höhenruder. SP 5mm nach vorne, vor der empfohlenen Bauplanangabe, 60%Expo auf das Höhenruder. 

Nachdem jetzt alles repariert war, zweiter Erstflug in Teningen. Start ganz sauber, lange rollen (wie immer bei mir ) und ab in die Luft, Bilderbuchmäßig. Die Maschine liegt wunderbar in der Luft, bei fullspeed ziemlich gedrückt, überhaupt im Kraftflug ist ziemlich Tiefe getrimmt, hier muss der Motorsturz korrigiert werden. Eine schöne weiche Landung lassen den ersten richtigen Flug ausklingen. Ich bin zufrieden. Zweiter Flug an dem Tag... Absteller bei der Landekurve (wann auch sonst) und ab in den Acker. Das ging leider so schnell, daß ich zum Einfahren des Fahrwerkes nicht mehr gekommen bin. Der Einschlag in den Acker wurde mit einem zerstörtem Wasserkühler und herausgerissenem Fahrwerk quittiert. Ich bin´s ja gewohnt .... also die ganze Fläche aufgemacht, Verstärkungen eingezogen. Irgendwie habe ich beinahe die Lust an der Kiste verloren. Aber das finish ist eh hinüber, was soll´s. 

Zweiter Einsatz beim warbird-meeting in Kehl. Die Maschine geht fantastisch und macht enorm viel Spaß. Irgendwann haben wir dann ein airrace zu viert veranstaltet, 3 Spits und eine Seafury - genial. Die Landung ist in Kehl kein Problem, einfliegen, flaren, ausrollen. Perfekt

spitfire land

Bei der letzten Landung etwas quer reingekommen und nicht ganz sauber aufgesetzt ...... Fahrwerk rausgerissen die Dritte. Dadurch dass das Fahrwerk sich auf den Rippen abstützt, selbige aber aus Gewichtsersparnis ausgehöhlt sind, kann das Konstrukt nicht stabil sein. In meinen Augen eine Fehlkonstruktion. Bei jeder etwas ruppigeren Landung sind Baustunden angesagt (ich bin da übrigens kein Einzelfall) .... also wieder in den Keller, die Maschine soll ja zum IG-Warbird-meeting  .....

Kerken - Das beste Meeting 2004

Der erste Flug in Kerken war zusammen mit Stefan Bastian geplant, leider wollte das Fahrwerk nicht so wie es sollte. Am Abend dann zusammen mit Richy (hat die selbe Maschine... war übrigens sein Erstflug) ein Traumflug in der Dämmerung.... schön im Verband, zu zweit über den Platz, einfach nur klasse. Richy hat das Teil dann bei der Landung stark beschädigt (beim Ausrollen mit ziemlich speed in die Drainage des Maisfeldes ... logo Fahrwerk rausgerissen).

Feldwerkstatt

richy 1 reperatur Beat

Aber dann warbirdfliegen ! (Photos von Ralf "Raja" Jany )

zusammen mit Richy `s Burma-Spit

Spit Richy Beutespit in Kerken 1

Es begab sich auf dem Platz in Teningen .... wieder ein schöner Flug, aber bei der Landung erhielt das Flugzeug aufgrund Wechselwirkung Klappen zu Rudern nochmals Auftrieb, danach das übliche Programm, will heissen geflippt und auf dem Rücken liegen geblieben. Ein paar Defekte am Rumpf, Kabinenhaube kaputt. Eigentlich nichts besonderes, uneigentlich aber hatte ich keine Lust mehr. Zum einen wegen der verhunzten Lackierung, zum anderen wegen der ständigen Fahrwerksmalaise.

Meines Erachtens passt der Materialmix des Kenner-Fahrwerkes nicht. Aluminium auf Stahl kann nicht gut gehen. Das Fahrwerksherz ist gestaucht, dadurch "labbert" das Fahrwerk in Verriegelungsposition. Auch im ausgefahrenen Zustand ist das Fahrwerk labberig. Verriegelt aber labberig. Dadurch ist ein sauberes Rollen nicht mehr drin.

Hier das Schadbild nach ca. 10 Flügen

ezfwSchaden1 ezfwSchaden2 ezfwSchaden3    

Ich habe die Maschine an Richy verschenkt, sein Sohn soll das Teil nach der Restaurierung bekommen. Viel Spaß mein Freund und allzeit genug Luft unter den Flügeln

Fazit : das Flugmodell ist nicht schlecht, aber so wie es aus dem Baukasten kommt, passt das nicht. Die angegebenen Werte sind nicht korrekt, die Fahrwerksposition muss novelliert werden. Hat man diese Hürden umschifft und das Flugzeug ist noch ganz, dann macht die Fuhre Spaß. Unter ARF verstehe ich aber etwas anderes.

 

Das wars nun, die Geschichte der legendären Beutespit 

 

 

 

***********