Chance Vought Corsair Quantico XXL


 

 

 

 

 

Chance Vought Corsair AU-1  MCAS Quantico

Nicht schon wieder eine Quantico ...... Michel Grandpair fliegt (flog) ja schon bereits eine Quantico-Corsair, entstanden aus einem Kranz-Bausatz mit 254cm Spannweite. Diese Lackierung wurde von mir im Jahr 2009 durchgeführt und ist auch hier auf dieser Seite dokumentiert --> Quantico Corsair die Erste

Die Kranz-Kiste ist mittlerweile etwas in die Jahre gekommen und so hat sich Michel die bekannte XXL-Corsair gegönnt. Das Flugzeug spannt stattliche 310cm und wird von einem Moki250 befeuert werden. Natürlich habe ich mich sehr gefreut, als Michel bei mir angeklopft und um eine Lackierung gebeten hat. Klar bin ich als Corsair-Fan und Flügelmann immer zu solchen Schandtaten bereit.

Mitte Januar 2015 war es dann soweit und der Walfisch wurde angeliefert. Ja, die Corsair ist riesig, da sprengt es nahezu den Hobbykeller.

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Der Detaillierungsgrad der Fräser-XXL ist eher als schwach zu bezeichnen. Das Modell hat nicht den Scale-Anspruch wie die Gerätschaften von CARF o.ä., aber die große Maschine fliegt schlicht lammfromm. Das ist es was zählt. Natürlich schrammt ein Modell in dieser Größe an den maximalen 25Kg, also ist überall Gewichtsparen angesagt um eine Zulassung zu vermeiden. Das Gewichtsparen beinhaltet logischerweise auch die Lackierung. Schnell sind bei so einem großen Flugzeug 1-2 Kg Lack verbraucht und das ist schlicht zuviel. Eine Grundierung mit Füller scheidet komplett aus, der Lackauftrag sollte einschichtig sein, sowie auch der abschliessende Klarlack.

Wurde die kleine Quantico-Corsair noch mit Modellbaufarben lackiert, so gelangen hier Flugzeugbasislacke zur Verwendung. Basislacke sind sehr leicht, haben ein starkes Pigment, sind aber mit Vorsicht zu geniessen da nicht ganz unschädlich. Lackieren in nicht dafür geeigneten Räumen ist tabu, ebenso sind Einmalhandschuhe und eine Aktivkohlemaske absolute Pflichtübung.Der Vorteil der Basislacke liegt eindeutig im Gewicht und auch in den Kosten. Ein 500Gramm Gebinde Basislack schlägt mit ca. 50 Euro zu Buche, bei Humbrol/Revell usw. sind 75 Euro auszulegen. Ein weitere Vorteil von Basislacken ist die extrem kurze Trocknungsphase. So sind lackierte Werkstücke nach rund 30 - 60 Minuten weiterbearbeitbar, 2K-Lacke oder gar Modellbaufarben haben hier wesentlich längere Trocknungszeiten (2 - 24 Stunden). Der Basislack ist aber nicht "haltbar", will heissen ein Klarlackauftrag ist unumgänglich um die Lackierung haltbar zu machen. Bei einer 2K-Lackierung muss das hingegen nicht sein.  

Definitiv eine Herausforderung.

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Das Tragwerk wird fein säuberlich mit Schleifvlies abgepadded und im Nachgang mit Silikonentferner abgewaschen. Das Padden ist dann richtig gemacht, wenn der Glanz auf dem Werkstück fehlt.

Um der großen Fläche Leben einzuhauchen, habe ich den Flügel mit einem sog. "preshading" versehen. Die Beplankungsstöße und Wartungsklappen werden mit 2K-schwarz nachgefahren. Hierfür nutze ich meine Badger 150. Den Decklack sollte man dann ganz leicht überlackieren. Hat man alles richtig gemacht kommen die schwarzen Linien ganz fein wieder raus, die Fläche hat Leben. 

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Gingen diese Arbeiten noch vor dem heimischen Keller (Spritzwand nicht vergessen, immer schön an die Umwelt denken bitte) , so erfolgt die Decklackierung in der Flugzeugwerft von MeierMotors in Eschbach. In der 12 Meter messenden Lackierkabine verschwindet der Flügel fast.

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und die erste Schicht weiss

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kurz darauf das hellgrau - nach 2 Stunden war der Zauber erledigt - herzlichen Dank an die Werft !

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Im April flatterten dann die lang ersehnten Lackierschablonen ins Haus. Auch hier war wieder die Basis der hervorragende Decal-Satz der 1/48 Quantico Corsair von Hasegawa. Herbert hat hier wieder einen wunderbaren Job gemacht u d diesesmal Schablonen aus einer Kunstoff-Folie geplottet. Leider ergaben sich durch einen Materialwechsel ein paar Probleme, doch dazu später. 

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Auch zum Verarbeiten von Lackierschablon gehört eine Vorarbeit. Die Klebekraft der Schablonen ist relativ gering, also muss der Untergrund perfekt sein. Also ganz leicht die bereitslackierten Flächen abgepadded (1000er Körnung) und den aufliegenden Farbschleier dadurch entfernt. Jetzt haften die Masken wunderbar.

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fein säuberlich abkleben .... und Maske auf !

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Zuerst leicht annebeln. Durch den Nebel kann man Unterläufer vermeiden. Den Nebel antrocknen lassen und danach zügig weiterlackieren. Ich nutze hierfür eine Schneider HVLP von Druckluft Krapf. Wichtig ! Nach dem Lackieren sofort (!) die Schablonen entfernen. Ich föne das Werkstück kurz mit dem Heissluft-Fön an und ziehe vorsichtig aber zügig die Folie ab. So kann man weiterer Unterläufer in den Beplankungslinien vermeiden. Passt man dabei aber nicht auf und man kommt mit der frischen Farbe in Berührung, dann war alles umsonst. Nein, nicht meine Lieblingsaufgabe.

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Bei den sog. Stars&Bars das selbe Spiel, maskieren, leicht anhauchen, ablüften lassen, zügig nachlackieren und demaskieren

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hier kann man ganz leicht Verneblungen sehen. Die Maskierfolie wird ganz leicht vom Lack angelöst. Die bisherigen Lackierschablonen waren papierartig, diese hatten die Unart nicht.

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Auf der Tragflächenoberseite muss natürlich weiss vorlackiert werden. Danach wird die zweite Lackierschablone exakt ausgerichtet. Auch hier hat man nur einen Verusch.

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Bei den Stars & Bars der 50er Jahre ist noch ein roter Streifen anzubringen. Also wird die nun 3 Schablone exakt ausgerichtet, alles fein säuberlich abgeklebt und das Rot lackiert. Gerade bei Rot ist es eminent wichtig peinlich genau abzukleben um ein Nebeln auf benachbarte Bauteile zu verhindern.

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Oberseite

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Damit sind die Hauptarbeiten am Flügel beendet. Die Lackierung der Hoheitsabzeichen sind sehr aufwändig, aber am Ende überzeugt das schon. Wasserschieber in dieser Größe gibt es fast nicht, sind extrem teuer und auch schwer zum Aufbrngen. Klassische Folienaufkleber tragen relativ stark auf, vor allem wenn es 3-farbig ist wie hier. Ich sage mal "Geschmackssache", ich lackiere lieber. Der weitere unbestrittene Vorteil ist, dass man lackierte Stencils und Hoheitszeichen schlicht besser altern kann.

Rumpfwerk

Die Lackierung des Rumpfes wurde analog der Tragflächen durchgeführt. Leider ergaben sich ein paar (lösbare) Problemchen. Zum einen waren die Lackierschablonen auf einer Rumpfseite leicht verdruckt, will heissen reichlich Nacharbeit, zum anderen hat sich beim Ablösen der Schablonen teilweise die Farbe vom Untergrund gelöst. Letzteres ist wirklich ärgerlich. Augenscheinlich habe ich das Rumpfwerk nicht ausreichend abgepadded. Also "Überstunden" .......

Der Tarnverlauf am Rumpf ist beim Original recht weich, also verbietet sich das Abkleben mit klassischen Tape. Die Lösung sind selbstklebende Schaumgummischnüre von 3M. Diese werden im Kfz-Lackierbereich zum Abkleben der Türspalten genutzt. Durch die runde Form und auch das Schaumgummi ergibt sich ein ganz weicher Übergang der einzelnen Farben. Obwohl das Band recht gut hält, lässt es sich wunderbar und rückstandsfrei wieder ablösen. Das Material ist nicht ganz billig, aber eben perfekt.

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Die Lackierschablonen werden nach ausreichender Abtrockenzeit vorsichtig aufgebracht

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auch hier erfolgte die Lackierung wieder mit 2K-Lack. Direkt nach dem Lackauftrag sollte, nach kurzem Anziehen, die Schablone entfernt werden. Bei diesen Vinyl-Schablonen löst sich der Kleber durch den Lack leider leicht an. Beim Abziehen zieht der Lack ganz leicht Fäden. Also höllisch aufpassen. Natürlich habe ich auch gleich den "anti-glare" auf der Rumpfoberseite mitlackiert.

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Bei den stars-and-bars dann die "Katastrophe"

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und korrigiert. Bei der Korrektur hat sich dann wieder der Lack gelöst - nein, meine Reaktion war nicht jugendfrei

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Stencil work und noch einige wenige Ausbesserungsarbeiten

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10.April 2015 - Frischluft für die Corsair

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ein Riesen-Schiff - 320cm Spannweite ist eben reichlich

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Damit ist die Grundlackierung Geschichte , jetzt geht es an das Weathering, also das Altern des Flugzeuges. 

Ein Einsatzflugzeug hat immer reichlich Gebrauchsspuren, seien es Ölrückstände, Auspuff"Russ", oder eben Verschmutzungen durch Witterungseinflüsse wie Regen, Hagel, Sturm und ganz normaler Dreck. Hier macht es durchaus Sinn ein gewisses Vorbildstudium zu betreiben und sich das Originalflugzeug etwas genauer anzuschauen. Jedes Flugzeug "verdreckt" anders und genau dieses ist zu beachten, dann wird das Ganze am Ende glaubwürdig.

 

Exemplarisch hierzu die Auftrittklappe in der Landeklappe. Die Klappe verdeckt einen Auftritt den neben dem Piloten auch Bordmechaniker nutzen müssen um überhaupt auf den Flügel und/oder an das Cockpit zu kommen. Hier kommt es immer zu Verschmutzungen 

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Weathering ist auch immer Geschmackssache, am Ende muss es schlicht gefallen, dann ist alles richtig gemacht :-) 

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Weathering des Höhenleitwerkes

Auch hier wurden die Techniken "Drybrush", also Aufbringen von Farbe mittels einem fast trockenen Pinsel, "washing", das Aufbringen von stark verdünnter Plaka-Farbe in die Beplankungsstöße und Niete, sowie Airbrush und Pastellkreiden.

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Vorher / Nachher , oben ohne Alterung, unten fertig "geweathered"

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Alterung des Tragwerkes - ebenfalls mit den oben genannten Techniken

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Weathering mit Pastellkreide am Übergang Tragwerg zur bellypan. Der Kreidestaub wird aufbegracht und schlicht mit einem Papiertuch in Flugrichtung abgewischt. Diesen Vorgang wiederholt man so lange bis es gefällt. Auch das "washing" ist hier nach Belieben einzusetzen. Die "panellines" werden mit stark verdünnter Plaka-Farbe "eingeschmiert". Das Ganze leicht antrocknen lasse und dann wieder abziehen. Hat man alles richtig gemacht, dann bleibt die stark verdünnte Farbe in den Rillen und Niete haften. Auch hier sind viele Gänge zu machen um ein ansprechendes Ergebnis zu generieren. Wartet man aber zu lange, dann trocknet das Geschmier ein und man muss nochmal lackieren :-) also bitte piano vorgehen. 

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Das gleiche Spiel am Rumpf. Der Antrieb der Corsair verursacht eine mehr oder weniger starke Verschmutzung an den Rumpfseiten und auch an der Flugzeugunterseite. Vor allem unverbrannte Benzinrückstände und Ölschmutz verschmutzen das Flugzeug recht stark. Die Auspuffgase sind sehr heiss, hier kommt es zu starken Einbrennungen bei den Auspuffen. Bei diesen Arbeiten verwende ich hauptsächlich meine Airbrush

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Der Einstieg bei der Corsair ist in Flugrichtung gesehen rechts. Also ist dort auch am meisten Dreck um den Einstieg herum. Links ist da nicht viel zu sehen. Es sind die Kleinigkeiten.... 

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Flugzeugunterseite - durch die helle Unterseite ist die Verschmutzung recht stark zu sehen und auch ausgeprägt.

Hier ein Photo aus dem Internet welches eine "aktuelle" restaurierte Corsair zeigt. Obwohl die Maschine top-gepflegt ist, ist die Verschmutzung recht stark. So kann man sich vorstellen, wie erst ein Einsatzflugzeug aussah. 

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Die erste Schritte sind immer das washing, da eben recht dezent. Danach Pastellkreiden und am Ende die Arbeit mit der Airbrush. Es ist recht viel Arbeit ... bis zu diesem Ergebnis vergehen rund 5 Stunden und es ist erst der Anfang .....

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Airbrush-Einsatz - schwarz ist tabu ! Ich verwende hier die Farbtöne anthrazit, rost, ocker, grau und dunkelbraun, dazu ein bisschen blau

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noch etwas stencil-work am Leitwerk

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Zur Feier des Tages den Renner am 28.04.2015 zusammengesteckt

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Noch ein paar Feinarbeiten an der Motorhaube und das Projekt ist abgeschlossen. Danach erfolgt die Versiegelung der Lackierung mit 2K-Klarlack.

 

Roll-Out 02.05.2015

 

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